Wie bekannt sein wird, bestand schon im Jahre 1863 am Hange des Thaltistockes eine kleine, primitiv gebaute Klubhütte, die nach wenigen Jahren von einer Lawine eingedrückt wurde. An deren Stelle, jedoch einige Meter tiefer gelegen, erbaute man die bis zu diesem Jahre bestehende Hütte, die für 10 Personen Platz bot. Sie wurde seinerzeit mit einem Aufwand von ca. Fr. 910.- erstellt; an diese Kosten hatte das Zentralkomitee Fr. 500.-, die Sektion Basel Fr. 150.- und die Sektion Bern den Rest beigetragen. Im Laufe der Jahre sind aber vielerlei Verbesserungen und Reparaturen ausgeführt worden. Insbesondere ist die Weganlage in den Thältiplatten so verbessert worden, dass die Hütte nun ohne Gefahr erreicht werden kann.
Wie bei sämtlichen andern Hütten hat auch bei dieser Hütte der Besuch im Laufe der letzten Jahre so zugenommen, dass Klagen über deren geringe Logierfähigkeit und Unwohnlichkeit laut wurden.
Die Erstellung eines Neubaus stand deshalb seit einiger Zeit auf unserem Programm und wir beabsichtigten, die Pläne zu demselben nach Fertigstellung der Bergli- und der E. von Steiger-Hütte vorzulegen. Durch die Schenkung des Herrn Hasler, in Verbindung mit derjenigen unseres Rev. W.A.B. Coolidge, war es uns unerwarteter weise möglich, die Frage der leidigen Unterkunftsverhältnisse im Triftgebiet noch im Jahr 1906 auf allgemein befriedigende Weise zu lösen.
Nachdem am Ostermontag 16. April der in Grindelwald im Ofni aufgestellte, im Gerippe vollendete Bau und das übrige Holzmaterial von einigen Sektions-Mitgliedern abgenommen war und nach Bestimmung einiger Ergänzungsarbeiten, wurde sofort das Nötige für den Transport, die Erdarbeiten und den Aushub veranlasst.
Die Fuhre des etwa 10 Tonnen wiegenden Materials vom Zimmerplatz bis nach Nessentahl-Twirgi wurde den Herren Gebrüder Boss zum Bären in Grindelwald übergeben. Die selben haben anfangs Mai damit begonnen und die Sache so gefördert, dass im laufe der letzten Woche Juni das gesamte Material in Nessenthal bereit stand.
Unser Hüttenwart Herr Andreas von Weissenfluh übernahm den Transport von Nessenthal bis zur Baustelle, sowie die Erdarbeiten und das Rüsten von Sand und Steinen.
Dieser Transport ging leider nicht mit der gewünschten Promptheit von statten. Am Tage des ersten Besuches 30. Juni an welchem auch der endgültige Platz abgesteckt wurde, war nur ein ganz kleiner Teil des Materials oben, da und dort etwas unterwegs und fast sämtliche grosse Stücke noch im Twirgi.
Auf unsere Vorstellung hin und nachdem ein höherer Preisansatz und eine Gratifikation für rechtzeitige Vollendung zugesagt worden war, ist die Arbeit so vorwärts gegangen, dass bis Ende Juli alles Baumaterial an Ort und Stelle sich befand. Der Transport wurde in fünf verschiedenen Etappen von verschiedenen Gruppen ausgeführt.
Da von Weissenfluh und seine Leute mit dem Transport vollauf beschäftigt waren, musste der Unternehmer der Zimmerarbeit, Herr F. Boss, mit der Ausführung der Erdarbeiten beauftragt werden. Mit seinen Leuten und der Mithilfe der Gebrüder von Weissenfluh förderte er das Ganze derart, dass am 8. August die Hütte, im Gerippe aufgestellt, abgenommen werden konnte. An diesem Tage wurden noch weitere Anordnungen für die Erdarbeiten und die Vollendung der Hütte getroffen und bestimmt, dass die alte Hütte vorläufig nicht abzubrechen, sondern nur um 1.60 Meter zu verkürzen sei, ohne die Pritsche zu verkleinern.
Hier ist beizufügen, dass die neue Hütte unmittelbar hinter der alten und zwar in der gleichen Achse aufgestellt ist; deren Fussboden befindet sich ungefähr au der Firsthöhe der alten Hütte. Sie ist auf zwei Seiten in die Zwischenmoräne vor dem Thältistock, zum Schutz gegen Lawinengefahr eingebaut; dieser Schutz ist ferner durch Anbringen einer zirka 2 Meter hohen starken Mauer etwas oberhalb der Hütte befindlich erhöht worden. Ersteres bedingte ziemlich umfangreiche Erdbewegungen und das Wegräumen von Steinen.
Dank dem anhaltend schönem Wetter und dem Eifer der Unternehmer gelang es, die Hütte gegen Ende August bezugsbereit zu machen. Die Einweihung fand denn auch am 1. September bei zahlreicher Beteiligung und prächtigem Wetter statt.
Über das Nähere hierüber sei auf den Bericht in der Alpina Nr. 16 vom 13. September 1906 verwiesen. Einige Ergänzungsarbeiten , Anbringen von Tablaren und Sitzbänken vor, bezw, oberhalb der Pritsche im Dachboden, werden im kommenden Vorsommer noch besorgt, ebenso werden einige Ausrüstungsgegenstände zur Vervollständigung der vorhandenen noch beschaffen.
Die Auslagen für den Bau setzen sich wie folgt zusammen;
Holzbau und innerer Ausbau nach Ergänzung Fr. 5`327.-
Erd- und Maurerarbeiten mit Maurer für Lawinenschutz Fr. 1`397.-
Transporte des Baumaterials bis zum Bauplatz Fr. 3`922.-
Akkordarbeiten; Aufstellen und Einrichten Fr. 1`638.-
Diverse Arbeiten suppl. und Anschaffungen Fr. 138.-
Beschaffen des Inventars Bettwaren, Geräte usw. Fr. 738.-
Transporte derselben zur Hütte Fr. 192.-
Diverse Unkosten , Notariatsgebühren und Entschädigungen für Inspektionen Fr. 105.-
Total Fr. 13`457.-
Das Gewicht des zur Baustelle gebrachten Materials und des Inventars betrug;
Bauholz 197.13 Zentner à 50 Kilos
Schreinerei 1.75
Möbel 2.13
Eisenwaren 5.26
Zement und Dachpappe 17.00
Inventar inkl. Stroh 10.4
Zusammen 228.67 Zentner à 50 Kilos
An die oben erwähnten Kosten bezahlt
Herr G. Hasler den Betrag des Baues zur Abnahme in Grindelwald bereit Fr. 5`220.-
Die Zentralkasse wird laut Zusage leisten Fr. 3`500.-
Zusammen Fr. 8`720.-
Der Rest wird aus der Schenkung des Herrn Coolidge entnommen.
Die Auslagen für die Einweihung im Betrage von Fr. 237.2 und das diesjährige Wartgeld von Fr. 30.- werden von der Sektionskasse übernommen.
Für das kommende Jahr sind einige Ergänzungsarbeiten und Änderungen im Hütteninnern, Ergänzungen des Inventars und der Wegmarkierungen und Verbesserungen der Weganlage mit einem Kostenaufwand von Fr. 300.-, woran Fr. 200.- auf Rechnung des Baukontos vorgesehen sind.
Die Hütte wird fernerhin mit Brennholz versorgt sein.
Besuch der Hütte: Da während der Ausführung Bauarbeiten und dem Bau der Hütte der Platz ausschliesslich für die Arbeiter reserviert werden musste, ist er wegen dem günstigen Wetter demnoch nicht hinter dem letzt jährigen zurückgeblieben.
Oben waren: 53 Parteien mit 131 Touristen, wovon 5 Damen und 44 Führern, oder 175 Personen; davon waren übernacht 37 Parteien mit 86 Touristen und 27 Führern, oder 113 Personen.
Besetzt waren die Hütten während 40 Nächten von 63 Parteien mit 120 Touristen und 35 Führern, oder 155 Personen, was für zwei Nächte ein Mittel von 3 Parteien mit 6 Personen und 2 Führern oder 8 Personen ergibt.
Das Maximum der Besucher ergibt der Tag der Einweihung 1./2. September der neuen Hütte mit 10 Parteien, 25 Touristen und 10 Führern, oder 35 Personen von denen 5 in der alten Hütte übernachteten . Der erste Besuch ist am 7. Juni, der letzte am 3. Oktober im Buch vorgemerkt.
Die Hütte wurde auf dem Hin- oder Rückweg zu folgenden wichtigen Besteigungen benutzt:
Dammastock von 32 Parteien, davon eine von der Göscheneralp; die Triftlimmi von 8 Parteien; die Thierberge von 7 Parteien; der Schneestock und Kilchlistock von je 5 Parteien; der Massplanstock, Eggstock, Weissnollen; Diechtershörner von je 4 Parteien; der Rhonestock, das Steinhaushorn, Massplankjoch von je 2 Parteien; der Galenstock, Thieralplistock, Trifthorn, Steinlimmi, das Sustenhorn und Gwächtenhorn von je einer Partie. Hüttenbesucher sind 4 Parteien eingetragen.
Die oben angeführten 131 Touristen verteilen sich wie folgt:
Mitglieder des SAC, 57, davon SAC Bern 22, Schweizer 49, Mitglieder des D. u ÖAV 1, Deutsche 14, Engländer und Amerikaner 3, übrige Nationen 7.



